Informationen für Patienten

Wörtlich übersetzt bedeutet Psychotherapie „Behandlung der Seele“ bzw. Behandlung von seelischen Problemen. Psychotherapie ist ein interaktionaler Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mit Krankheitswert. Diese etwas umständliche Formulierung bedeutet nichts anderes, als dass sich die Psychotherapie im heilkundlichen Sinn auf Krankheiten spezialisiert hat – im Gegensatz z.B. zum sogenannten Coaching.

Zu den behandelten Störungen gehören unter anderen Depressionen, Ängste, Essstörungen, Zwänge oder psychosomatische Erkrankungen. Psychotherapie wird auch als Ergänzung zu medizinischer Behandlung eingesetzt (z.B. Tumor- oder Herz-Kreislauferkrankungen). Psychische Störungen sind alles andere als eine Seltenheit (WHO, 2006): Jedes Jahr erleiden 27% der EU-Bevölkerung (83 Millionen) mindestens eine psychische Störung, bedeutsame Unterschiede zwischen den Ländern gibt es nicht. Das Lebenszeitrisiko an einer psychischen Störung zu erkranken liegt bei über 50%, d.h. jeder zweite erkrankt. Ausmaß und Folgen sind allerdings sehr unterschiedlich.

Zu Anwendung kommen meist sprachliche Mittel, es werden aber auch andere psychologischen Mittel genutzt, wie z.B. Entspannungsübungen oder Körpertechniken. Psychotherapie ist auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel gerichtet und somit auch zeitlich begrenzt.

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Die formalen Rahmenbedingungen

Jede Sitzung dauert in der Regel 50 Minuten. Zunächst finden bis zu 5 sogenannte probatorische Sitzungen statt, in denen Sie den Therapeuten kennen lernen und mit ihm oder ihr gemeinsam abschätzen, ob bei Ihnen eine Psychotherapie notwendig  und sinnvoll ist. Sollte dies der Fall sein und beide Beteiligte den Eindruck haben, dass sie gut miteinander arbeiten können und die „Chemie“ stimmt, muss bei gesetzlich Versicherten die geplante Therapie bei der Krankenkasse beantragt werden. Dazu müssen Sie zunächst Ihren Hausarzt oder Psychiater aufsuchen, damit dieser einen sogenannten Konsiliarbericht verfasst. Hinzu kommt die Erstellung eines anonymisierten Berichts durch den Therapeuten, der in einem verschlossenen Umschlag über die Krankenversicherung an den Gutachter weitergeleitet wird. So erfahren die Sachbearbeiter nichts von Ihrer persönlichen Krankengeschichte. Die Regelungen bei privaten Versicherungen sind leider nicht einheitlich. Sie sollten daher sicherheitshalber direkt bei Ihrer Versicherung die Konditionen erfragen oder in Ihrer Versicherungspolice direkt nachlesen. Meist wird, wie oben beschrieben, ebenfalls eine Beantragung durchgeführt.

Welche Psychotherapieverfahren gibt es?

Zur Zeit sind drei psychotherapeutische Richtungen wissenschaftlich anerkannt:

  • Analytische Psychotherapie: Diese Therapie geht auf Sigmund Freud zurück, basiert auf einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens und ist die älteste Form der Psychotherapie. In der Regel finden bei dieser Therapieart 2-3 Sitzungen pro Woche statt, oftmals/in der Regel im Liegen.
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Diese Psychotherapieform hat sich aus der psychoanalytischen Therapie entwickelt und konzentriert sich meist auf ein zentrales Thema. Hier wird im Sitzen gearbeitet und es findet meist 1 Sitzung pro Woche statt.
  • Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass Menschen ihr Verhalten und Erleben durch Erfahrungen im Laufe ihres Lebens erlernen. Die Verhaltenstherapie ist eine gedanken- und handlungsorientierte, problembezogene Therapieform. Auch hier wird im Sitzen gearbeitet und es findet ebenfalls meist 1 Sitzung pro Woche statt.

Hinzu kommen verschiedene Methoden, die in die jeweilige Rahmenbehandlung eingepflegt werden können (z.B. EMDR oder Katathymes Bildererleben)

Berufsgruppen in der Behandlung psychischer Störungen

Um heilkundliche Psychotherapie ausüben zu dürfen, ist der Titel „Ärztlicher/Psychologischer Psychotherapeut“ vonnöten. Um diesen zu erhalten, ist ein abgeschlossenes Studium der Medizin bzw. Psychologie und eine Weiterbildung von 3-5 Jahren, sowie eine Approbation (staatliche Zulassung) gesetzlich vorgeschrieben. Als “Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut” werden Therapeuten tätig, die ein pädagogisch fundiertes oder eines der oben genannten Studienfächer absolviert und ebenfalls eine Weiterbildung abgeschlossen haben.

  • Psychiater behandeln psychische Störungen fachärztlich von der körperlichen Seite her, meist durch Verordnung von Psychopharmaka. Um psychotherapeutisch tätig zu sein, muss auch er eine Weiterbildung zum Psychotherapeuten absolviert haben.
  • Diplom-Psychologen haben das Studium der Psychologie beendet, haben jedoch keine Weiterbildung zur heilkundlichen Psychotherapie und somit keine Approbation.
  • Heilpraktiker haben eine vom Gesundheitsamt verliehene Erlaubnis zur Psychotherapie, die jedoch wenig über die zugrundeliegende Ausbildung aussagt.

Kostenerstattung

Wenn Sie gesetzlich versichert sich, übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten für Psychotherapie bei allen KV zugelassenen Psychotherapeuten. Unter bestimmten Bedingungen werden die Kosten für Psychotherapie bei approbierten Pschotherapeuten ohne KV Zulassung erstatttet. Ihre KK übernimmt die Kosten in solchen Fällen jedoch nur, wenn sie diesem Vorgehen vor Therapiebeginn schriftlich zugestimmt hat. Weitere Informationen: www.bptk.de/uploads/media/BPtK_Ratgeber_Kostenerstattung.pdf

Hilfsangebote

Allgemeine Information

Kliniken

Organe

Selbsthilfe

Besondere Therapieverfahren:

Broschüre über Depression in 4 Fremdsprachen (italienisch, polnisch, russisch und türkisch). Diese finden Sie auf der Seite des Europäischen Bündnisses zum Download:
http://www.eaad.net/downloads/

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